Debütfilm Treatment Spielfilm · Komödie Buch — Marc David

Ich Hasse Meine Band

Eine trockene Musikerkomödie mit echtem emotionalen Kern. Little Miss Sunshine trifft Birdman.

Erstellt auf Basis von Drehbuch v17 Script Consulting · Juni 2026 Scroll
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Logline

A-Seite

Eine zerstrittene Band bekommt die Chance ihres Lebens: eine Star-Produzentin, eine leere Industriehalle, ein Kamerateam. Jetzt müssen sie vor laufender Kamera die Harmonie vortäuschen, die sie längst verloren haben.

01

Tonalität

Drei Menschen, die sich zu gut kennen um noch höflich zueinander zu sein, und eine vierte, die das zu spät begreift.

Der Film ist eine Mischung aus „Little Miss Sunshine" und „Birdman". Er behandelt Erfolg und seine Opfer, was bedeutet Erfolg für jeden einzelnen und was ist er bereit, dafür herzugeben? Scheitern ist hier ein normaler Teil des Lebens. Die Rockets sind Menschen, die etwas wollten und es nicht bekommen haben und die trotzdem nicht aufhören.

Little Miss Sunshine + Birdman = Ich hasse meine Band
02

Die Figuren

Vier Figuren. Vier Aspekte eines einzigen Künstler-Ichs, das mit all diesen Stimmen in sich zu kämpfen hat.

01 / 04 Tom
Der Inszenierer
Tom

Längere dunkle Haare, leichtfertig und überambitioniert, als wolle er am Dach arbeiten, obwohl die Mauern noch nicht fertig sind. Hat die Band gegründet, die Songs geschrieben, die Gigs organisiert und ist trotzdem der, dem niemand zuhört. Seine tiefste Angst ist nicht zu scheitern, sondern unsichtbar zu bleiben.

02 / 04 Chris
Der Idealist
Chris

Sieht aus wie einer, der schon bessere Konzerte gespielt hat als dieses hier. Rebellisch, künstlerisch, kompromisslos. Schreibt heimlich eigene Songs „False Reflections", „Hollow Promises". Musikalisch der Begabteste der drei und der Schwerste im Umgang.

03 / 04 Siggi
Der Perfektionist
Siggi

Unaufgeregt, ungestyled, man würde ihn nicht auf der Bühne vermuten. Distanziert und akribisch, dessen Zuneigung zur Band oft hinter Ironie verborgen bleibt. Gibt Yogastunden und redet darüber mit niemandem. Der Einzige, der genau weiß was er will und der Einzige, der nie danach greift.

04 / 04
Still · Dani — folgt
Das ehrgeizige Arbeitstier
Dani

Stylisch, keine Sekunde Leerlauf, selbst wenn sie stillsitzt arbeitet sie an etwas. So kompetitiv, dass sie sich mit einer Band anlegt, die niemand kennt. Das ist ihr Problem und ihr Geschenk zugleich.

+ Einer dazwischen
Der Mann vom Label
Kilian

Dazwischen steht Kilian. Im Anzug, immer am Handy, immer einen Deal weiter. Er wirkt wie der oberflächliche Hype-Mann der Branche — bis sich zeigt, dass ausgerechnet er der Einzige ist, der Loyalität ernst nimmt. Und dass er für Dani schon viel länger lügt, als sie ahnt.

DER FILMProlog → Akt 3 → Das Ende
03

Prolog

Aufstieg & Fall

Ohne ein einziges Dialogwort komprimiert der Prolog fünf Jahre Bandgeschichte. Wir sehen einen jungen Mann, der alleine Gitarre spielt, dann zu zweit, dann zu dritt. Der Raum wird voller, das Equipment besser, die Konzerte größer. Preise werden in Ecken gestellt, weil Musik wichtiger ist.

Wir sehen, wie der Raum sich verändert, mehr Equipment, weniger Platz, kein Blickkontakt mehr. Bis drei Männer erschöpft und blutend auf dem Boden liegen und einer aus letzter Kraft versucht den anderen zu schlagen, der jedoch zu weit weg liegt.

Titel: Ich hasse meine Band.
04

Akt 1

Die Rockets, heute

Die Rockets spielen vor einem Dutzend Menschen in einer Event Location. Tom reißt sein Herz raus. Niemand applaudiert außer einem einzigen Super-Fan. Backstage räumen sie ein und streiten über Songs, über Geld, über Chris' heimliche Setlist mit seinen eigenen Tracks. Rick, der Veranstalter, gibt Tom einen Umschlag mit 50 Euro. 

An einer Fotowand entdeckt Chris ein Foto einer Künstlerin, die seine Mutter liebte. Durch eine offene Hintertür sieht er draußen eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn vorbeigehen. Er schaut ihnen nach. Schließt die Augen. Später sagt er beiläufig: „Meine Mutter liebt sie. Auch jetzt noch."

Dann betritt Joschua den Backstageraum, jung, attraktiv, gerade von einem jubelnden Publikum gefeiert. Tom erkennt ihn sofort. Joschua hat Toms Song, ein Label, Universal. Die Rockets haben heute Abend für ihn eröffnet, ohne es zu wissen. Chris verlässt die Band. Siggi auch. Tom steht alleine da.

Draußen will Tom gehen. Dann ruft jemand „Joschua!", dann noch jemand. Tom bleibt stehen. Dreht sich. Geht auf ihn zu und bittet ihn um einen Job in seiner Band. Joschua lehnt ab.

„Tom, halt dein Maul."

Vor dem Nightliner steht Kilian und telefoniert. Wir hören einen Namen: Alizza. Irgendetwas an dieser Session wackelt, aber Kilian wiegelt ab. Joschua erwähnt die Vorband beiläufig. Kilian lässt sein Handy sinken. Fünf Minuten später findet er Tom in der leeren Location. „Ihr wart der Hammer." Er arbeitet mit Dani Dream zusammen, nächste Woche ist ein Slot frei geworden. Tom sagt zu, bevor Kilian den Satz beendet, bietet überschwänglich Demos an („Nee, das passt schon") und muss dann erklären, dass seine „aktive Band, die voll besteht" gerade durch die Hintertür gegangen ist.

05

Übergang

Dani

Dani sitzt in ihrem Studio und arbeitet. Sie sweept Filter, choppt Samples, löscht die Klavierspur einer Künstlerin namens Alizza und spielt sie neu ein. „Piano ist nicht so deins, Alizza."

In einer kleinen Bäckerei bestellt sie Kaffee. Die Barista kennt sie, verliert ihr Lächeln, wird still, macht den Kaffee ohne ein Wort. Hält den Becher fest, als Dani ihn nehmen will. Einen Moment halten beide. Dann lässt sie los. „Mach sie fertig."

Zurück im Studio erfahren wir, was Dani wurmt: Ein Magazin hat sie abgelehnt, „noch kein Artist Material" und ihr EPK besteht aus einem einzigen, unscharfen Foto. Kilian bringt Neuigkeiten. Alizza habe die Session verschoben, sagt er. Es ist die erste Stufe einer Lüge, die er den ganzen Film über höher bauen wird. Stattdessen: ein neuer Artist. Naja, streng genommen eine Band. Dani hält inne. Eine Band, nach all den durchgeknallten Solo-Artists klingt das wie Erholung. „Wann?"

SCHAUPLATZIndustriehalle · Studio auf Zeit
06

Akt 2

Die Industriehalle · B-Seite
Ankunft

„Irgendwann nächste Woche." Tom steht in einer riesigen leeren Industriehalle und versucht den Strom anzustellen. Chris und Siggi sind plötzlich auch da, sie haben endlich ihre Mails gelesen. Sie streiten. Dann kommen Dani und Kilian. Tom erfindet ein „Bandritual", um Zeit zu schinden  ein merkwürdiger Tanz, an dem nur er wirklich teilnimmt. Dani verzweifelt innerlich an dem Gedanken, schon wieder Artists mit Ritualen zu produzieren. Kilian verkauft ihr die Halle mit dem einen Argument, das sie nicht abwehren kann: Bilder. Endlich mehr als dieses eine Foto.

Die Doku-Kamera

Macky, eine Regisseurin mit Laserfokus und einer zusätzlichen Realitätsebene, die niemand nachvollziehen kann, inspiziert die Halle für Dokumentationsmaterial. Sie fordert „Performance Takes" nach perfekten Aufnahmen nochmal spielen, aber mit Emotion, für die Kamera. Chris weigert sich. Tom überredet ihn im Band-Huddle. Ein Film über echte Musik beginnt damit, dass alle das Echte nachstellen.

Akustik-Test

Dani testet die Akustik der Halle mit einem mobilen Recorder, Snare im Industriefahrstuhl, Gitarre im Treppenhaus, Gesang in einer schwarzen Halle. Die Rockets schleppen ihr gesamtes Equipment durch das gesamte Gebäude. Am Ende klatscht Dani einmal in die Hände, lächelt kurz. „Das könnte funktionieren."

Die Dreckspur

Die Aufnahmen starten und mit ihnen das Chaos. Die Band sabotiert sich gegenseitig: Chris zieht heimlich an Toms Gitarrensaite, bis sie beim nächsten Take reißt („Anfänger"). Tom kommuniziert per Postit, während alle übertrieben freundlich in die Kameras lächeln.

„REISST EUCH ZUSAMMEN! WTF?!"

Ein Pegel am Mischpult erzählt die Eskalation mit: erst grün, dann gelb, dann rot. Mittendrin schiebt Kilian Tom den Aufnahmevertrag hin. Tom füllt ihn blind aus, die Aufmerksamkeit bei Chris, der gerade verdächtig gutes Zeug auf der Gitarre spielt. Der Stift driftet das Adressfeld bleibt lesbar. Hinter dem Papierkram zeigt Tom Chris den Mittelfinger und verwandelt die Geste in letzter Sekunde, als Kilian aufblickt. Der bekommt nichts mit, weil er am Handy hängt.

Snakes Tail

Kilian hört in die bisherigen Aufnahmen. Er ist nicht zufrieden. „Das war's?" Chris tritt vor: „Wir haben noch besseres Material." Er zählt an, A-Moll, 116 bpm, „Snakes Tail", ein Song seiner anderen Band. Sie spielen ihn wütend, gegeneinander statt miteinander. Siggi baut Dissonanzen ein, Tom kloppt aggressiv, Chris singt wie in einem Duell. Und genau dadurch entsteht das Beste, was diese Band je aufgenommen hat. Kilian ist hyped, fragt nach Chris' Namen, will mehr, sofort. Von einem Band-Deal sagt er kein Wort.

07

Die Wende

Bei den Chorproben rutscht Chris ein Satz über „diese enorme Lüge" heraus, während das Talkback offen ist. Dani hat alles mitgeschnitten. Sie stürmt raus, ruft Kilian an, grinst.

In der Halle spielt sie ihm die heimliche Aufnahme vor und sie schaut dabei nicht die Band an, sondern Kilian. Sie wartet auf sein Urteil wie auf eine Abnahme. Selbst ihre Zerstörung anderer ist ein Pitch um Anerkennung.

Aber Kilian ist nicht wütend auf die Rockets.

Bands streiten und lügen. Von denen habe ich nichts erwartet. Von dir alles.— Kilian

Dann fällt seine Lüge in sich zusammen, Stufe um Stufe: Alizza hat nicht verschoben. Alizza hat in Island auch niemanden zufällig kennengelernt, sie hat gesucht. Sie fand Dani unerträglich. DubIos fand es toxisch. „Ich finde niemanden mehr, der mit dir arbeiten möchte." Dani sucht nach einem Namen, einem Beispiel, einem Gegenangriff. Da ist nichts. Zum ersten Mal im Film fehlen ihr die Worte. „Das war deine Chance. Du scheinst einfach die Falsche zu sein." Sie geht und in ihrem Blick liegt keine Entschuldigung. Sie hat bereits einen neuen Schuldigen gefunden: Tom.

Tom bleibt mit Kilian zurück und erfährt den Rest. Chris hat einen Solo-Deal angeboten bekommen, vor Tagen schon, mit freier Musikerwahl. Siggi wäre dabei, Tom als Co-Writer und Drummer. Nicht als Sänger. „Die finden deine Stimme ätzend." Tom versteht es nicht sofort. Dann versteht er es. Und sagt trotzdem das Schlimmste, was er sagen kann:

Wenigstens erinnert man sich an meine Stimme.— Tom

Chris' Augen füllen sich mit Tränen. Er geht. Siggi bleibt kurz stehen: „Er hat den Deal noch nicht angenommen, weil er nicht wollte, dass du dich schlecht fühlst." Dann geht auch Siggi. Tom wirft Kilian die Doppelmoral vor, hinter seinem Rücken die Band zerlegt zu haben. Kilians Antwort ist der ehrlichste Satz der Branche:

Das ist mein Job.— Kilian

Label-Leute tragen das Equipment raus. Stück für Stück verschwindet das Studio, das nie eines war. Tom sitzt mittendrin. Dann ist die Halle so leer wie an dem Tag, als er die Lampe nicht zum Leuchten gebracht hat. Er scrollt auf seinem Handy zu einem alten Newsletter: „Gitarrenlehrer verabschiedet sich." Er schaut noch einmal durch die leere Halle. Und antwortet.

08

Akt 3

Der letzte Song

Zeitsprung. Die Rockets existieren nicht mehr und jeder ist da gelandet, wo seine Schwäche ihn hinträgt.

Tom gibt Gitarrenunterricht und erzählt seinen Schülern, dass die Welt keine Musiker braucht. Die Schüler ignorieren ihn und jammen. Für einen Moment sieht es aus wie der Anfang von etwas, genau deshalb macht er es kaputt. Doch die Übung, zu der er sie verdonnert, mutiert gegen seinen Willen wieder zu Musik. Und diesmal passiert es: Tom spielt eine Progression übers Klavier, und in seinem Kopf entsteht ein Song. Ein Bass kommt dazu, gespielt, wie nur Siggi spielt. Eine zweite Stimme legt sich auf seine, es ist Chris. Tom nimmt die Hände vom Klavier. Ohne die beiden klingt der Song nach nichts. Er steht auf: „Hört niemals auf. Das ist Erfüllung, das ist Kraft." Und stürmt raus. „Meine Hand tut langsam weh." „Halt durch."

Siggi gibt Yoga. Tom platzt in die Stunde, sie flüstern sich durch ein ganzes Gespräch, während der Kurs mit geschlossenen Augen atmet. „Das war die Gelegenheit." „Das war eine Gelegenheit." Der Bro-Handschlag mit ausgestrecktem kleinen Finger knallt so laut, dass der ganze Kurs sich zu Tode erschreckt.

Chris arbeitet im Call Center. Tom und Siggi rufen an, ihr 86. Versuch. Chris spielt mit und tarnt seine echte Wut als Kundenservice: „Liegt es vielleicht daran, dass Sie einfach zu dämlich sind, mit dem Gerät umzugehen?" Die Kollegen applaudieren ihm für seine klaren Worte. Chris legt auf, starrt auf den Schreibtisch. Sein Handy leuchtet. Das Hintergrundbild: er und seine Mutter. Er überlegt.

Die drei treffen sich in Toms kleiner Wohnung. Der Plan: ein letzter Song, aufgenommen mit dem, was da ist. Decken für die Akustik, das kaputte Mikrofon vom letzten Konzert wird zusammengeflickt. Danach lösen sie sich offiziell auf. Kein Fail als Ende, sondern ein Abschluss zu ihren Bedingungen.

Parallel: Dani steht wieder in der Bäckerei, hängende Schultern. Die Barista sieht ihren Zustand, zögert und verweigert dann den Kaffee. Schiebt den Becher hin, hält fest, lässt nicht los. Ein Test. Dani reißt ihn schließlich mit voller Wucht an sich, Kaffee schwappt über ihre Hand, die Barista hat längst losgelassen. Ihr Blick sagt: „Und? Merkst du was?" Dani entscheidet sich zu kämpfen und stürmt raus. Die Barista nickt für sich. Fast ein Lächeln.

Im Studio packt Dani ihre Sachen. Unter einem Papierstapel: der Aufnahmevertrag mit den Rockets. Sie liest Toms Adresse. Legt ihn hin. Packt weiter. Hört auf zu packen. Nimmt den Vertrag. Geht.

Ext. Toms Wohnhaus

Dani läuft aufgewühlt vor Toms Tür auf und ab, klopft. Siggi öffnet und schaut auf ihren Rücken. „Hab ich dich gefunden, du kleiner…" Sie dreht sich um. „Hä. Du bist der andere Typ." „Bist du der eine Typ?"

Sie stürmt rein: „Du hast alles ruiniert! Wenn du nicht so ein…" Und stockt. Decken über Möbeln. Kabel überall. Chris auf der Leiter, Siggi, der nörgelt, Tom, der sie ruhig anschaut und auf den Rest des Satzes wartet. Und auf dem Tisch das zusammengeflickte Mikrofon. Eine Band, die mit nichts, für nichts, ohne Label und ohne Kameras Musik macht. Dafür hat ihr Weltbild keine Kategorie. Ihr Ärger und ihr Fachwissen kämpfen kurz gegeneinander, das Fachwissen gewinnt. „So bringen die Decken nichts. Die müssen in die Ecken, nicht über die Couch." Pause. „Darf ich euch vielleicht helfen?"

Sie nehmen auf, eine ganze Nacht lang. Die Band gibt sich gegenseitig Raum. Siggi lehnt den Click ab und spielt nach Gefühl. Tom lässt Chris den Vortritt im Lead-Gesang, ein Blick zwischen den beiden, und die wortlose Entschuldigung für den schlimmsten Satz des Films ist angenommen. Niemand spricht eine Entschuldigung aus, alle werden verstanden. Dani editiert und benutzt die Rückseite des Aufnahmevertrags als Schmierpapier für Mix-Notizen. Die Rockets dösen einer nach dem anderen weg. Dani sitzt alleine am Rechner, zieht die Kopfhörer auf. Keine Kamera, kein Kilian, keine Erwartung. Sie fängt an, mit dem Kopf zu nicken. Lehnt sich zurück, schließt die Augen. Produziert weiter.

DAS ENDENächster Morgen · der Song ist hochgeladen
09

Das Ende

Nächster Morgen. Die Band liegt verteilt in der Wohnung, Dani übermüdet am Rechner. „Der Song ist hochgeladen. Hab's ein bisschen rumgeschickt." Die Band wird hellwach, kurzes Lachen. Dann begreifen sie, was das bedeutet: Die Band ist offiziell beendet. Das Lachen vergeht.

Sie lesen die Kommentare, Kommentare über die Band, nicht über die Musik. „Mir doch scheiß egal, ob ihr euch trennt." „Wusste gar nicht, dass es euch noch gibt." Dann einer von Joschua: „Das ist wirklich eine große Aufnahme." Tom liest ihn. „Nicht so befriedigend, wie ich dachte."

Chris' Handy leuchtet. Ein Video seiner Schwester Ana, sie spielt den Song ihrer Mutter Elisabeth vor. „Wer ist das?", fragt die alte Frau. Dann lächelt sie und tanzt ein wenig im Sessel. „Wie schön. Dazu haben Chrissi und ich doch immer getanzt." Chris' Augen sind feucht. Er schaut das Video noch einmal von vorne an.

Ja, das haben wir.— Chris

Dani, halb im Schlaf, ganz leise, fast unhörbar:

Ich liebe den Song.— Dani

Stille.

Der Abspann läuft über Mackys Doku-Material: Performance Takes gegen echte Momente, gestelltes Lächeln gegen echten Streit, Pose gegen Erschöpfung. Das letzte Bild ist ein ungestelltes Lachen.

Ende
10

Thematischer Kern

Was bedeutet Erfolg und was bist du bereit dafür herzugeben?

Tom, Chris, Siggi und Dani sind nicht vier verschiedene Menschen. Sie sind vier Aspekte eines einzigen Künstler-Ichs. Der Inszenierer, der Idealist, der Perfektionist, das ehrgeizige Arbeitstier. Jeder Künstler kennt diesen inneren Kampf, zwischen dem, der gesehen werden will, dem, der nur die Kunst zählt, dem, der es richtig machen muss, und dem, der nie aufhört zu arbeiten.

Die Rockets scheitern nicht, weil sie talentlos sind. Sie scheitern, weil diese vier Stimmen unter dem gleichen Dach nicht überleben. Was sie als Band nicht hinkriegen, können sie getrennt leisten. Und Dani findet in einer Nacht ohne Kamera und ohne Erwartung zurück zu dem Grund, warum sie überhaupt angefangen hat.

Der letzte Satz des Films gehört ihr. Nicht den Rockets, nicht dem Erfolg, nicht dem Scheitern. Einer Frau, die halbschlafend sagt, was sie wirklich denkt.

Das ist genug.