Zeitsprung. Die Rockets existieren nicht mehr und jeder ist da gelandet, wo seine Schwäche ihn hinträgt.
Tom gibt Gitarrenunterricht und erzählt seinen Schülern, dass die Welt keine Musiker braucht. Die Schüler ignorieren ihn und jammen. Für einen Moment sieht es aus wie der Anfang von etwas, genau deshalb macht er es kaputt. Doch die Übung, zu der er sie verdonnert, mutiert gegen seinen Willen wieder zu Musik. Und diesmal passiert es: Tom spielt eine Progression übers Klavier, und in seinem Kopf entsteht ein Song. Ein Bass kommt dazu, gespielt, wie nur Siggi spielt. Eine zweite Stimme legt sich auf seine, es ist Chris. Tom nimmt die Hände vom Klavier. Ohne die beiden klingt der Song nach nichts. Er steht auf: „Hört niemals auf. Das ist Erfüllung, das ist Kraft." Und stürmt raus. „Meine Hand tut langsam weh." „Halt durch."
Siggi gibt Yoga. Tom platzt in die Stunde, sie flüstern sich durch ein ganzes Gespräch, während der Kurs mit geschlossenen Augen atmet. „Das war die Gelegenheit." „Das war eine Gelegenheit." Der Bro-Handschlag mit ausgestrecktem kleinen Finger knallt so laut, dass der ganze Kurs sich zu Tode erschreckt.
Chris arbeitet im Call Center. Tom und Siggi rufen an, ihr 86. Versuch. Chris spielt mit und tarnt seine echte Wut als Kundenservice: „Liegt es vielleicht daran, dass Sie einfach zu dämlich sind, mit dem Gerät umzugehen?" Die Kollegen applaudieren ihm für seine klaren Worte. Chris legt auf, starrt auf den Schreibtisch. Sein Handy leuchtet. Das Hintergrundbild: er und seine Mutter. Er überlegt.
Die drei treffen sich in Toms kleiner Wohnung. Der Plan: ein letzter Song, aufgenommen mit dem, was da ist. Decken für die Akustik, das kaputte Mikrofon vom letzten Konzert wird zusammengeflickt. Danach lösen sie sich offiziell auf. Kein Fail als Ende, sondern ein Abschluss zu ihren Bedingungen.
Parallel: Dani steht wieder in der Bäckerei, hängende Schultern. Die Barista sieht ihren Zustand, zögert und verweigert dann den Kaffee. Schiebt den Becher hin, hält fest, lässt nicht los. Ein Test. Dani reißt ihn schließlich mit voller Wucht an sich, Kaffee schwappt über ihre Hand, die Barista hat längst losgelassen. Ihr Blick sagt: „Und? Merkst du was?" Dani entscheidet sich zu kämpfen und stürmt raus. Die Barista nickt für sich. Fast ein Lächeln.
Im Studio packt Dani ihre Sachen. Unter einem Papierstapel: der Aufnahmevertrag mit den Rockets. Sie liest Toms Adresse. Legt ihn hin. Packt weiter. Hört auf zu packen. Nimmt den Vertrag. Geht.
Ext. Toms Wohnhaus
Dani läuft aufgewühlt vor Toms Tür auf und ab, klopft. Siggi öffnet und schaut auf ihren Rücken. „Hab ich dich gefunden, du kleiner…" Sie dreht sich um. „Hä. Du bist der andere Typ." „Bist du der eine Typ?"
Sie stürmt rein: „Du hast alles ruiniert! Wenn du nicht so ein…" Und stockt. Decken über Möbeln. Kabel überall. Chris auf der Leiter, Siggi, der nörgelt, Tom, der sie ruhig anschaut und auf den Rest des Satzes wartet. Und auf dem Tisch das zusammengeflickte Mikrofon. Eine Band, die mit nichts, für nichts, ohne Label und ohne Kameras Musik macht. Dafür hat ihr Weltbild keine Kategorie. Ihr Ärger und ihr Fachwissen kämpfen kurz gegeneinander, das Fachwissen gewinnt. „So bringen die Decken nichts. Die müssen in die Ecken, nicht über die Couch." Pause. „Darf ich euch vielleicht helfen?"
Sie nehmen auf, eine ganze Nacht lang. Die Band gibt sich gegenseitig Raum. Siggi lehnt den Click ab und spielt nach Gefühl. Tom lässt Chris den Vortritt im Lead-Gesang, ein Blick zwischen den beiden, und die wortlose Entschuldigung für den schlimmsten Satz des Films ist angenommen. Niemand spricht eine Entschuldigung aus, alle werden verstanden. Dani editiert und benutzt die Rückseite des Aufnahmevertrags als Schmierpapier für Mix-Notizen. Die Rockets dösen einer nach dem anderen weg. Dani sitzt alleine am Rechner, zieht die Kopfhörer auf. Keine Kamera, kein Kilian, keine Erwartung. Sie fängt an, mit dem Kopf zu nicken. Lehnt sich zurück, schließt die Augen. Produziert weiter.