Debütfilm Treatment Spielfilm · Komödie Buch — Marc David

Ich Hasse Meine Band

Eine trockene Musikerkomödie mit echtem emotionalen Kern. Little Miss Sunshine trifft Birdman.

Erstellt auf Basis von Drehbuch v15 Script Consulting · Juni 2026 Scroll
00

Logline

A-Seite

Eine zerstrittene Band bekommt eine letzte Chance: eine Star-Produzentin, eine leere Industriehalle — und muss vor laufender Kamera Harmonie vortäuschen, um den Plattenvertrag nicht zu verlieren.

01

Tonalität

Der Humor kommt nicht aus Situationen, sondern aus Charakteren — drei Menschen, die sich zu gut kennen um noch höflich zueinander zu sein, und eine vierte, die das zu spät begreift.

Der Film ist eine Mischung aus „Little Miss Sunshine" und „Birdman". Er behandelt Erfolg und seine Opfer. Was bedeutet Erfolg für jeden einzelnen — und was ist er bereit dafür herzugeben oder auch nicht?

Little Miss Sunshine + Birdman = Ich hasse meine Band
02

Die Figuren

Vier Figuren. Vier Aspekte eines einzigen Künstler-Ichs — das mit all diesen Stimmen in sich zu kämpfen hat.

01 / 04 Tom
Der Inszenierer
Tom

Längere dunkle Haare, leichtfertig und überambitioniert, als wolle er am Dach arbeiten, obwohl die Mauern noch nicht fertig sind. Hat die Band gegründet, die Songs geschrieben, die Gigs organisiert — und ist trotzdem der, dem niemand zuhört. Seine tiefste Angst ist nicht zu scheitern, sondern unsichtbar zu bleiben.

02 / 04 Chris
Der Idealist
Chris

Sieht aus wie einer, der schon bessere Konzerte gespielt hat als dieses hier. Rebellisch, künstlerisch, kompromisslos. Schreibt heimlich eigene Songs — „False Reflections", „Hollow Promises". Musikalisch der Begabteste der drei und der Schwerste im Umgang.

03 / 04 Siggi
Der Perfektionist
Siggi

Unaufgeregt, ungestyled — man würde ihn nicht auf der Bühne vermuten. Distanziert und akribisch, dessen Zuneigung zur Band oft hinter Ironie verborgen bleibt. Gibt Yogastunden und redet darüber mit niemandem. Der Einzige, der genau weiß was er will — und der Einzige, der nie danach greift.

04 / 04
Still · Dani — folgt
Das ehrgeizige Arbeitstier
Dani

Stylisch, keine Sekunde Leerlauf — selbst wenn sie stillsitzt arbeitet sie an etwas. So kompetitiv, dass sie sich mit einer Band anlegt, die niemand kennt. Das ist ihr Problem und ihr Geschenk zugleich.

DER FILMProlog → Akt 3 → Das Ende
03

Prolog

Aufstieg & Fall

Ohne ein einziges Dialogwort komprimiert der Prolog fünf Jahre Bandgeschichte. Wir sehen einen jungen Mann, der alleine Gitarre spielt, dann zu zweit, dann zu dritt. Der Raum wird voller, das Equipment besser, die Konzerte größer. Preise werden in Ecken gestellt, weil Musik wichtiger ist.

Wir sehen, wie der Raum sich verändert — mehr Equipment, weniger Platz, kein Blickkontakt mehr. Bis drei Männer erschöpft und blutend auf dem Boden liegen und einer aus letzter Kraft versucht den anderen zu schlagen, der jedoch zu weit weg liegt.

Titel: Ich hasse meine Band.
04

Akt 1

Die Rockets, heute

Die Rockets spielen vor einem Dutzend Menschen in einer Event Location. Tom reißt sein Herz raus. Niemand applaudiert außer einem einzigen Super-Fan. Backstage räumen sie ein und streiten — über Songs, über Geld, über Chris' heimliche Setlist mit seinen eigenen Tracks. Rick, der Veranstalter, gibt Tom einen Umschlag mit 50 Euro. Ein Getränk verkauft.

An einer Fotowand entdeckt Chris ein Foto einer Künstlerin, die seine Mutter liebte. Durch eine offene Hintertür sieht er draußen eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn vorbeigehen. Er schaut ihnen nach. Schließt die Augen. Später sagt er beiläufig: „Meine Mutter liebt sie. Auch jetzt noch."

Dann betritt Joschua den Backstageraum — jung, attraktiv, gerade von einem jubelnden Publikum gefeiert. Tom erkennt ihn sofort. Joschua hat Toms Song, ein Label, Universal. Die Rockets haben heute Abend für ihn eröffnet, ohne es zu wissen. Chris verlässt die Band. Siggi auch. Tom steht alleine da.

Draußen will Tom gehen. Dann ruft jemand „Joschua!", dann noch jemand. Tom bleibt stehen. Dreht sich. Geht auf ihn zu und bittet ihn um einen Job in seiner Band. Joschua lehnt ab.

„Tom, halt dein Maul."

Im Konzert stellt Tom sich an die Seite und schaut zu. Joschua wird gefeiert. Plötzlich schaut jemand direkt zu ihm — strahlt, winkt aufgeregt. Tom winkt zögernd zurück. Dann schiebt sich ein riesiger Typ an ihm vorbei, und die Person stürzt auf den Typen zu. Alte Freunde. Tom schaut ihnen nach. Dann wieder zur Bühne.

Kilian, ein Mann im Anzug, steht vor dem Nightliner und telefoniert. Joschua erwähnt die Rockets beiläufig. Kilian lässt sein Handy sinken. Fünf Minuten später findet er Tom in der leeren Location. „Ihr wart der Hammer." Er arbeitet mit Dani Dream zusammen. Nächste Woche ist ein Slot frei. Tom sagt zu, bevor Kilian den Satz beendet — und muss dann erklären, dass seine „aktive Band, die voll besteht" gerade durch die Hintertür gegangen ist.

05

Übergang

Dani

Dani sitzt in ihrem Studio und arbeitet. Sie sweept Filter, choppt Samples, löscht die Klavierspur einer Künstlerin namens Alizza und spielt sie neu ein. „Piano ist nicht so deins, Alizza." Sie trinkt ihren letzten Kaffeebecher leer und schmeißt ihn auf den Boden zu den anderen.

In einer kleinen Bäckerei bestellt sie Kaffee. Die Barista kennt sie — verliert ihr Lächeln, wird still, macht den Kaffee ohne ein Wort. Hält den Becher fest, als Dani ihn nehmen will. Einen Moment halten beide. Dann lässt sie los. „Mach sie fertig."

Kilian kommt ins Studio. Alizza hat abgesagt — sie hat in Island einen Schweden kennengelernt. Dani hört kaum zu. „Ich habe einen neuen Artist. Naja, streng genommen eine Band." Eine Band. Dani stellt sich die Session vor. „Wann?"

SCHAUPLATZIndustriehalle · Studio auf Zeit
06

Akt 2

Die Industriehalle · B-Seite
Ankunft

„Irgendwann nächste Woche." Tom steht in einer riesigen leeren Industriehalle und versucht den Strom anzustellen. Chris und Siggi sind plötzlich auch da — sie haben die Mail gelesen. Sie streiten. Dann kommen Dani und Kilian. Tom erfindet ein „Bandritual", um Zeit zu schinden — ein merkwürdiger Tanz, an dem nur er wirklich teilnimmt. Dani verzweifelt innerlich an dem Gedanken, wieder Artists mit merkwürdigen Ritualen zu produzieren.

Die Doku-Kamera

Macky, eine Regisseurin mit Laserfokus und einer zusätzlichen Realitätsebene, die niemand nachvollziehen kann, inspiziert die Halle für Dokumentationsmaterial. Sie fordert „Performance Takes" — nach perfekten Aufnahmen nochmal spielen, aber mit Emotion, für die Kamera. Chris weigert sich. Tom überredet ihn im Band-Huddle. Macky geht zufrieden.

Akustik-Test

Dani testet die Akustik der Halle mit einem mobilen Recorder — Snare im Fahrstuhl, Gitarre im Treppenhaus, Gesang in einer schwarzen Halle. Die Rockets schleppen ihr Equipment durch das gesamte Gebäude. Am Ende klatscht Dani einmal in die Hände, lächelt kurz. „Das könnte funktionieren." Kilian legt Tom einen Aufnahmevertrag hin und zeigt auf eine Linie. Tom unterschreibt, ohne aufzuhören Dani zuzuhören.

Die Dreckspur

Die Aufnahmen starten — und mit ihnen das Chaos. Die Band sabotiert sich gegenseitig: Chris zieht an Toms Gitarrensaite, bis sie beim nächsten Take reißt. „Anfänger", sagt Dani und verlässt den Raum. Tom kommuniziert über Postits, während Dani mit Kopfhörern am Mischpult sitzt — und alle lächeln übertrieben freundlich in die Kameras.

„REISST EUCH ZUSAMMEN! WTF?!"

Tom will Songideen besprechen. Chris schlägt vor, den Song reifen zu lassen. Tom zeigt ihm hinter dem Leadsheet den Mittelfinger. Der Tiefpunkt: Die Rockets kommen zum Ende des Songs, werfen Instrumente von sich, sind wütend wie noch nie.

Snakes Tail

Kilian hört in die Aufnahmen. Er ist nicht zufrieden. „Das war's?" Chris tritt vor. „Wir haben noch besseres Material." Er zählt ab: A-Moll, 116 bpm, Snakes Tail. Tom muss an die Drums. Sie spielen — wütend aufeinander, gegeneinander statt miteinander. Siggi baut Dissonanzen ein. Tom kloppt aggressiv. Chris singt wie in einem Duell. Kilian ist hyped. „Das war der Hammer." Er dreht sich zu Dani: „Dass du das aus denen rausholst."

07

Die Wende

Dani hat alles aufgenommen — auch das Gespräch, in dem Chris versehentlich verrät, dass die Band eine Lüge war. Sie stürmt zu Kilian. Aber Kilian ist wütend auf Dani. Nicht auf die Rockets.

Welche Band streitet sich denn nicht? Da hättest du nichts kaputt machen können. Diese Band war niemand.— Kilian

„Ich finde niemanden mehr, der mit dir arbeiten möchte. DubIos fand es toxisch. Alizza hat niemanden zufällig kennengelernt — sie hat gesucht." Er verlässt die Halle. Dann dreht er sich zu Tom. „Ich schicke jemanden, der das Zeug abholt." Tom steht alleine. Die DAW läuft noch.

Später: Chris hat den Deal nicht angenommen — nicht für sich, sondern für Tom. Weil Kilian Toms Stimme nicht wollte, und Chris wusste, wie das ankommen würde. Tom versteht es nicht sofort. Dann versteht er es. Und sagt trotzdem das Schlimmste, was er sagen kann:

Wenigstens erinnert man sich an meine Stimme.— Tom

Chris' Augen füllen sich mit Tränen. Er geht. Siggi bleibt kurz stehen. „Er hat den Deal noch nicht angenommen, weil er nicht wollte, dass du dich schlecht fühlst." Dann geht auch Siggi.

08

Akt 3

Der letzte Song

Tom gibt Gitarrenunterricht. Er sagt seinen Schülern, dass die Welt keine Musiker braucht, dass niemand das will. Die Schüler ignorieren ihn, spielen zusammen, rufen „Wir sind unsterblich." Tom frustriert die Naivität — und dann kommt ihm eine Idee. Er steht auf. „Hört niemals auf. Das ist Erfüllung, das ist Kraft." Er stürmt raus. „Meine Hand tut langsam weh." „Halt durch."

Tom sucht Siggi im Yogastudio auf. Siggi gibt gerade Unterricht, die Augen der Teilnehmer geschlossen. Sie flüstern. „Das war die Gelegenheit." Sie machen den Bro-Handschlag mit dem ausgestreckten kleinen Finger — übertrieben laut, der ganze Kurs erschreckt sich zu Tode.

Tom und Siggi rufen Chris im Call Center an — ihr 86. Versuch. Chris spielt mit, im professionellen Support-Tonfall: „Liegt es vielleicht daran, dass Sie einfach zu dämlich sind?" Die Kollegen applaudieren. Chris legt auf, starrt auf seinen Schreibtisch. Schaut auf sein Hintergrundbild — er und seine Mutter. Er überlegt. Steht auf.

In Danis Studio: Sie packt ihre Sachen, findet unter einem Stapel Papier den Aufnahmevertrag mit Toms Adresse. Sie legt ihn hin. Packt weiter. Hört auf zu packen. Nimmt den Vertrag. Geht.

Ext. Toms Wohnhaus

Dani läuft mit dem Vertrag in der Hand den Flur auf und ab, aufgewühlt. Sie klopft. Dreht sich weg. Die Tür geht auf. Siggi steht im Rahmen und schaut auf Danis Rücken. „Hab ich dich gefunden, du kleiner…" Sie dreht sich um. „Hä. Du bist der andere Typ." Siggi schaut sie einen Moment an. „Bist du der eine Typ?"

Sie stürmt rein. „Du hast alles ruiniert!" Sie stockt. Das kaputte Mikrofon, zusammengeflickt auf dem Tisch. Decken über Möbeln. Kabel überall. Die Band, die einfach weitermacht. „Was macht ihr hier?" „Wir müssen ja noch etwas aufnehmen." „So bringen die Decken aber nichts… Darf ich euch vielleicht helfen?"

Sie nehmen auf. Die Stimmung ist harmonisch — die Band gibt sich gegenseitig Raum, Siggi lehnt den Click ab und spielt nach Gefühl, Tom lässt Chris den Vortritt im Gesang. Dani fängt wieder an, den Prozess zu genießen. Die Rockets dösen einer nach dem anderen weg. Dani sitzt alleine am Rechner, zieht die Kopfhörer auf. Keine Kamera, kein Kilian, keine Erwartung. Sie fängt an, mit dem Kopf zu nicken. Produziert weiter.

DAS ENDENächster Morgen · der Song ist hochgeladen
09

Das Ende

Nächster Morgen. Die Band liegt verteilt in der Wohnung. Dani am Rechner, übermüdet. „Der Song ist hochgeladen. Hab's ein bisschen rumgeschickt." Die Band wird hellwach. Kurzes Lachen. Dann Stille — sie wissen alle, was das bedeutet. Niemand sagt es.

Sie quetschen sich vor den Laptop. POV vom Rechner — vier Gesichter, die lesen. Kommentare über die Band, nicht über die Musik. „Mir doch scheiß egal, ob ihr euch trennt." „Wusste gar nicht, dass es euch noch gibt." „Wer seid ihr eigentlich?"

Dann Chris: „Noch einer." Siggi liest vor. „Tom und seine Bande wieder Krach am fabrizieren." Tom liest es. Ein kurzes Lachen — halb geschmeichelt, halb resigniert. „Nicht so befriedigend wie ich dachte."

Niemand widerspricht. Niemand steht auf. Dani schläft bereits halb. Ganz leise, fast unhörbar:

Ich liebe den Song.— Dani

Stille.

Ende
10

Thematischer Kern

Was bedeutet Erfolg — und was bist du bereit dafür herzugeben?

Tom, Chris, Siggi und Dani sind nicht vier verschiedene Menschen. Sie sind vier Aspekte eines einzigen Künstler-Ichs. Der Inszenierer, der Idealist, der Perfektionist, das ehrgeizige Arbeitstier. Jeder Künstler kennt diesen inneren Kampf — zwischen dem, der gesehen werden will, dem, der nur die Kunst zählt, dem, der es richtig machen muss, und dem, der nie aufhört zu arbeiten.

Die Rockets scheitern nicht, weil sie talentlos sind. Sie scheitern, weil diese vier Stimmen unter dem gleichen Dach nicht überleben. Was sie als Band nicht hinkriegen, können sie getrennt leisten. Und Dani findet in einer Nacht ohne Kamera und ohne Erwartung zurück zu dem Grund, warum sie überhaupt angefangen hat.

Der letzte Satz des Films gehört ihr. Nicht den Rockets, nicht dem Erfolg, nicht dem Scheitern. Einer Frau, die halbschlafend sagt, was sie wirklich denkt.

Das ist genug.